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Von Ohrwürmern und Gänsehautgeräuschen

Akustische Reize stoßen im menschlichen Körper mitunter seltsame Reaktionen an – Geräusche lassen unsere Haare zu Berge stehen und Lieder gehen uns einfach nicht aus dem Kopf …

Radiowecker sind, trotz ihres unbestreitbaren Nutzens, nicht immer dazu geeignet, das Leben angenehmer zu gestalten. Mitunter verhageln sie einen Tag von Beginn an, nämlich dann, wenn sie uns einen ungewollten „Wurm ins Ohr“ setzen. Schnell windet sich der Ohrwurm durch unseren Gehörgang und nistet sich im Gehirn ein. Und der kleine akustische Parasit kann eine Plage sein, denn es setzen sich nicht unbedingt die Lieder in unserem Kopf fest, die wir mögen.

Der amerikanische Forscher Dr. James Kellaris beschreibt die Wirkung eines Ohrwurms als „kognitiven Juckreiz“, der nur durch ständiges Wiederholen vertrieben werden kann. Ohrwürmer zeichnen sich in aller Regel durch einfache, eingängige Melodien und häufige Wiederholungen aus. Beinahe jeder Mensch hat laut Kellaris’ Untersuchungen Erfahrungen mit diesem Phänomen, Musiker sind häufiger betroffen und Frauen grundsätzlich empfänglicher für Ohrwürmer als Männer. Ohrwürmer können auch ansteckend sein: Wer immer wieder das gleiche Lied vor sich hin summt, kann seine Mitmenschen „infizieren“.

 Ein Ohrwurm löst Neuronentätigkeit aus und nährt sich – vor allem bei Lieblingssongs – von der Erinnerung: Ob wir ein Lied hören oder daran denken, in unserem Gehirn laufen dabei die gleichen Prozesse ab. Versuche haben gezeigt, dass das menschliche Gehirn bekannte Melodien selbsttätig ergänzt, wenn ein Lied nur kurz angespielt wird. Als Ohrwürmer eignen sich daher besonders Stücke, die auf vertraute, häufig gehörte musikalische Muster zurückgreifen.

 

Grausliche Geräusche 

Der Jagd nach dem schlimmsten Geräusch der Welt hat sich Trevor Cox verschrieben, Akustikprofessor an der Universität Salford. Mehr als eine Million Menschen aus der ganzen Welt bewerteten bisher in seiner Internetbefragung verschiedene unangenehme Geräusche. Auf Platz eins der schlimmsten Töne landete das Geräusch des Erbrechens. Für den Wissenschaftler keine Überraschung – der Ekel, den das Geräusch verursacht, war für unsere Vorfahren ein überlebenswichtiger Reflex, der vor Krankheit oder giftiger Nahrung warnte. Auf Platz zwei landete das pfeifende Geräusch der Rückkopplung, Platz drei nahm Babygeschrei ein – ein „gefärbtes“ Ergebnis, denn auf dieses Geräusch reagierten Männer deutlich empfindlicher als Frauen. Auch hier hat die Evolution ihre Finger im Spiel: Würden Frauen die Lautäußerung des Nachwuchses als abstoßend empfinden, sähe es schlecht aus für den Erhalt der Art.

 

Auch die Gänsehaut als körperliche Reaktion auf fiese Geräusche, wie das Sirren eines Zahnarztbohrers oder das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel, ist in der Entwicklungsgeschichte des Menschen begründet: Die Muskeln, die die Härchen auf unseren Armen aufstellen, werden vom autonomen Nervensystem gesteuert. Verarbeitet werden die Signale im limbischen System, einer der evolutionär ältesten Regionen des Gehirns. In der Regel lösen hohe und schrille Geräusche, also solche, die im Tierreich

mit Gefahr assoziiert werden, eine Gänsehaut aus. Wahrscheinlich war das Aufstellen der Haare in der Vergangenheit eine Art Drohgebärde, wie wir sie bei Katzen heute noch beobachten können.

 

Die Reaktion auf Geräusche ist individuell durchaus unterschiedlich. Ob wir ein Geräusch mit Gefahr assoziieren, ist nicht zuletzt in unserer Erfahrung begründet. Grundsätzlich reagieren Frauen allerdings empfindlicher auf unangenehme Geräusche. Das Schrillen eines Weckers landete in Cox’ Studie übrigens auf Platz 22 der schlimmsten Geräusche der Welt …

 

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